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Hintergrundinformationen

Plastikmüll

Die Programme des Bundes und der EU beziehen sich nicht nur auf den Gebrauch und die Entsorgung von Plastik, sondern auch auf die Produktion, die Produktgestaltung und den Handel. Durch organisatorische oder finanzielle Förderung von Strukturen zur Wiederverwendung oder Mehrfachnutzung von Produkten, ökonomische Anreizen zum umweltfreundlichen Konsum sowie Produktverboten und Selbstverpflichtungen der Hersteller und des Handels soll die Verantwortung nicht allein beim Verbraucher liegen.

Was ist Mikroplastik?

Das Fraunhofer Institut bezeichnet in seiner Studie zu Kunststoffen in der Umwelt Partikel und Fasern als Mikroplastik, und größere Objekte aus thermoplastischen, elastomeren und duroplastischen Polymeren als Makroplastik, die bei Standardbedingungen fest sind und direkt oder indirekt durch menschliches Handeln in die Umwelt gelangen.

Sogenanntes Primäres Mikroplastik Typ A (11 % des Mikroplastiks) wird gezielt hergestellt, um bestimmte technische Eigenschaften zu erreichen, und gelangt beabsichtigt oder durch Unfälle in die Umwelt, z.B. Peelingbestandtteile in Kosmetika, Strahlmittel.
Sogenanntes Primäres Mikroplastik Typ B (89 % des Mikroplastiks) entsteht erst in der Nutzungsphase, z. B. der Abrieb von Reifen oder synthetischer Kleidung beim Waschen oder durch die Verwitterung von Gebäude-Farben.
Sogenanntes Sekundäres Mikroplastik entsteht durch Verwitterung und Fragmentierung von Makroplastik, welches meist durch Littering in die Umwelt gelangt und ist ein langsamer Vorgang.
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Verursacher von Mikroplastik

Die wichtigsten Quellen für Mikroplastik in Deutschland sind Reifenabrieb mit 1,23 kg Abrieb pro Einwohner und Jahr, im Bereich Abfallentsorgung werden durch Kompostausbringung, Kunststoffrecycling, Bauschutt- und Metallzerkleinerung 303 g pro Einwohner und Jahr an Mikroplastik erzeugt. Aus Kosmetika werden 19 g pro Einwohner und Jahr an Mikroplastik freigesetzt.
Sehr wichtig ist die Siedlungswasserwirtschaft, die durch Erfassung und Reinigung des Oberflächenwassers (Niederschlagswasser) sehr viel Mikroplastik in den Kläranlagen zurück halten, aber auch durch unkontrollierte Überlaufe oder Klärschlammverwertungen zur Ausbreitung von Mikroplastik beitragen kann.

Folgen von Mikroplastik

Jahr für Jahr gelangen weltweit 12,25 Millionen Tonnen Plastikabfall in die Meere, davon stammen rund 9,5 Millionen Tonnen Plastik vom Land aus, meist über die Flüsse, in die Weltmeere. Nur 5 Prozent dieser Plastikabfälle wird an den Stränden angespült und die bekannten schwimmenden Müllteppiche auf den Meeren enthalten nur 1 Prozent der Gesamtmenge. 94 Prozent des in die Meere eingetragenen Plastiks sinkt auf den Meeresboden und häuft sich dort über Jahrhunderte an. Aus Deutschland gelangen 330.000 Tonnen Mikroplastik pro Jahr in die Umwelt. Hinzu kommen 116.000 Tonnen Makroplastik.
Kunststoffemissionen gelangen über die Nahrungskette, Luft und Trinkwasser auch in den menschlichen Organismus. Die bislang nachgewiesenen Auswirkungen im Organismus sind vor allem physikalischer Natur, bekannt z.B. bei Seevögeln, deren Mägen voll Mikroplastik sind und die dann verhungern. Kunststoffe sind chemisch relativ stabil, allerdings enthalten sie viele Additive, die freigesetzt werden und toxisch wirken können. Auch belegen Studien, dass Partikel im Nanometerbereich über die Darmwand in den Blutkreislauf gelangen können. Insgesamt lassen sich die Auswirkung von Mikroplastik auf Organismen und Ökosysteme in ihrem Ausmaß bisher nicht abschätzen.

Was tut die Politik gegen Plastikmüll?

In der europäischen und der deutschen „Plastikstrategie“ werden derzeit viele Maßnahmen erwogen, um Kunststoffemissionen zu reduzieren:
•    Verbindliche Vorgaben für die Produzenten, in Kunststoffprodukten einen bestimmten Prozentsatz Recyclingmaterialanteil einzusetzen. Link PM Abfallbehälter aus Recycling-Kunststoff im Landkreis Kassel
•    Verbindliche Vorgaben an die Recyclebarkeit von Kunststoffprodukten
•    Steuern oder Abgaben auf Kunststoffverpackungen, um Materialeffizienz im Sinne eines eigentlichen Produktschutzes zu erzielen (Verpackungen sollten nur die Produkte schützen und die Lebensmittelverschwendung durch längere Haltbarkeit und bessere Lager- und Transportmöglichkeiten der Produkte verringern und nicht hauptsächlich Werbeträger sein)
•    Verlängerung der Nutzungsphase durch deutlich verlängerte Garantie- und Gewährleistungspflichten sowie Reparierbarkeitsgarantien
•    Verbot einiger Produkte mit kurzer Nutzungsphase
•    Verbot von Produkten, die besonders häufig auch in wilden Ablagerungen zu finden sind
•    Ausweitung der Pfandpflicht (für Einweg und Mehrweg), denn Pfandsysteme tragen bereits jetzt zu einer effizienten Reduktion des Litterings bei. Interessant sind Maßnahmen zur Verlängerung der Nutzungsdauer bspw. Bei Reifen, Farben etc., durch sie verringern sich sowohl Kunststoffverbrauch als auch Emissionen in Form von Abrieb und Verwitterung, letztere stehen einer längeren Nutzung häufig entgegen.
•    Verringerung der Mikroplastikemission (Typ B), welche durch Abrieb (Reifenabrieb beim Fahren, Abrieb von Farben durch Verwitterung) durch Werkstoff- und Produktinnovation
•    Mit einer häufigen Sammlung von Abfällen aus Gemeinden und Umland, auch der schwer zugänglichen Bereiche, wie Gräben und aus Sträuchern sowie einer regelmäßigen Reinigung der Verkehrs- und Grünflächen wird ein hoher Prozentsatz der Plastikabfälle erfasst, bevor sie sich weiter in der Umwelt zerstreuen. Eine Zerkleinerung von Grünschnitt ohne vorherige Entfernung der Plastikablagerungen ist zu vermeiden.
•    Auch in Bezug auf Reifen- und Fassadenabrieb ist die regelmäßige Reinigung der Infrastrukturflächen von Mikro- und Makroplastik  (ohne ökologische Schäden zu verursachen) eine der wichtigsten und effizientesten Handlungsoptionen, um die Einträge in die Gewässer zu minimieren, denn Abrieb wird beim Reinigen von Verkehrsflächen zurück gewonnen.
•    Das Oberflächenwasser muss auch nach Starkregen in die Kanalisation einer geordneten Kläranlage gelangen, da andernfalls auch viel Mikroplastik direkt in Bäche, Flüsse und das Grundwasser gelangt.

 

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